Interview mit Jeannine Michele Wacker

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© Shirin Tinati 1© Shirin Tinati/ Jeannine Michele Wacker

Hallöchen Ihr Lieben,

ich habe heute ein weiteres Interview für Euch! Dieses Mal von und mit der Musicaldarstellerin Jeannine Michele Wacker, die bis 30.06.2013 noch als Scaramouche  in  „We Will Rock You“  im Colosseum Theater Essen zu sehen war.

Bereits vor ihrer Ausbildung zur  Musicaldarstellerin begann sie ein Vorstudium im Bereich Gesang und nahm an einem Vorkurs im Fach Theater am Konservatorium Zürich teil. Des Weiteren spielte sie auch vor ihrem Studium schon in Produktionen wie beispielsweise in „Frühlings Erwachen“ oder „Heidi – Das Musical“ mit.

Ihre Ausbildung absolvierte Jeannine dann  an der renommierten New Yorker American Musical and Dramatic Academy und war dort während ihres Studiums  Stipendiatin der AMDA und der Fritz Gerber-Stiftung.

Nach ihrem Abschluss  in New York spielte sie in verschiedenen Off-Broadway-Produktionen  mit, bevor sie zurück nach Europa ging und dort bei den Thunerseespielen im Stück „Titanic – Das Musical“ die Rolle der Madeleine Astor übernahm. Zu den unterschiedlichen Off-Broadway-Produktionen die Jeannine  in New York spielte zählten beispielsweise Engagements wie „Angelina Ballerina“, „Good Good Trouble On Bad Bad Island“, „David – The Musical“ oder „Midnight – Twenty“.

Auch im Bereich Film sammelte Jeannine viel Erfahrung und stand dort unter anderem für folgende Produktionen vor der Kamera: in „The Last Rezort“  in der Rolle der Jean, in „Perspective Treatment“, in „Blind End“, in „Like!“ übernahm sie die Rolle der Heidi Schulz und in „Starters“ verkörperte sie Callie Woodland.

Bis vor kurzem stand sie wie bereits erwähnt im Musical „We Will Rock You“ als Scaramouche  im Colosseum Theater Essen auf der Bühne und wird diesen Sommer für den Independentfilm „Aurora“, in dem sie die Hauptrolle Calia übernehmen wird, drehen. Das geplante Release wird voraussichtlich  2014 stattfinden.

Wenn Ihr nun mehr über Jeannine Michele Wacker erfahren wollt, wünsche ich Euch viel Spaß beim Lesen des Interviews!

 

c Julia Bornkessel 1© Julia Bornkessel/ Jeannine Michele Wacker

Allgemeines


 

Wie würdest Du dich selbst beschreiben?

Quirlig, Mutig, Neugierig

 

Was ist für Dich das schönste am Tag?

Mit der Sonne im Gesicht aufwachen und wissen, dass es ein toller Tag wird.

 

Was macht Dich glücklich?

Die grossartigen Menschen in meinem Leben, Freiheit, Reisen und diese ganz speziellen Momente auf der Bühne, die ich immer wieder erleben darf. Und Schoggi 😉

 

Ohne was kannst Du nicht mehr leben?

Musik und Reisen.

 

Hast Du einen besonderen Tick oder eine Macke die Du mit uns teilen möchtest?

Ich drücke mindestens 5mal auf „Snooze“ bevor ich wirklich aufstehe – ich bin morgens eine richtige Schlafmütze!

 

Was würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen?

Ich liebe es, Bücher zu kaufen. Leider fehlt mir dann oft die Zeit, sie alle zu lesen, ich hab schon eine richtige Sammlung. Die würd ich mitnehmen 🙂

 

Was wünschst Du dir für deine Zukunft?

Ich hoffe, dass ich als Mensch und als Darstellerin weiter wachsen kann, an tollen Rollen, spannenden Stücken und den interessanten  und vielseitigen Menschen, die man im Theater trifft. Und ich will so viel wie möglich von der Welt sehen.

 

Wenn Du eine Superheldin sein könntest, was wäre dann Deine Fähigkeit/en?

Fliegen können, das wär toll!!

 

Deine Lieblingsfarbe ist: grün

Dein Lieblingsauto ist: äh Autos? Ich kann nicht mal fahren…^

Dein Lieblingstier ist: Katze

Deine Lieblingskleidung ist: ein leichtes Sommerkleid und Sandalen

Deine Lieblingsmusik ist: je nach Laune. Zurzeit höre ich The Pretty Reckless, Lana del Rey, Adele und Katie Melua.

Dein  aktuelles Lieblingsbuch ist: The Kite Runner von Khaled Hosseini

Dein Lieblingsfilm ist: Before Sunrise/Before Sunset

Dein Lieblingstheaterstück (und/oder) Musical ist: Next to Normal, Wicked

 

Bilder aus dem Programm CRUSH (2013)

Schauspiel ,Ausbildung, usw.

Wieso wolltest Du Musicaldarstellerin werden? Hat Dich bei deinem Berufswunsch eine Person oder etwas anderes inspiriert?

Als ich 4 war hab ich mit meinen Eltern „Cats“ in Basel gesehen und es war Liebe auf den ersten Blick. Als ich 9 war, fing ich an im Opernhaus Zürich kleine Kinderrollen zu übernehmen und im Kinderchor zu singen und hab so auch die Menschen und die Welt hinter der Bühne kennen gelernt. Ziemlich bald war mir klar, dass ich so viel Zeit meines Lebens wie nur möglich in dieser Welt verbringen will.

 

Du wurdest an der American Musical and Dramatic Academy in New York ausgebildet. Wieso hast Du dich dazu entschlossen, Deine Ausbildung dort zu absolvieren? Was kannst Du uns über diese Zeit berichten?

Hmm ich glaube, das war vor allem Abenteuerlust und die Neugier auf diese legendäre Stadt. Der Gedanke, da wo Musical geboren und geprägt wurde meine Ausbildung zu machen und von Leuten unterrichtet zu werden, die tatsächlich am Broadway gespielt haben, faszinierte mich. Also hab ich’s einfach mal versucht und wurde prompt aufgenommen. Ich kann darüber sagen, dass es bis jetzt die wohl turbulentesten 3 Jahre meines Lebens waren. Ich habe in dieser Zeit eine sehr grosse Entwicklung durchgemacht, wahnsinnig viel gelernt und alles, was ich erlebt habe, hat mich als Person und als Darstellerin bereichert und weitergebracht. Ich glaube, viele meiner heutigen Einstellungen und Eigenschaften sind geprägt durch mein Leben dort. Und: New York hat für mich seine Faszination nie verloren. Auch wenn ich heute besuchsweise hin fahre und an der 42nd street aus der subway die Treppe hochsteige und die vielen Lichter des Times Square sehe und mir klar mache, wie viel Talent und Kreativität hier in geballter Ladung versammelt ist, fühle ich mich noch immer so, wie als ich mit 19 das erste mal da war.

 

Was war für Dich die positivste und was die negativste Erfahrung während Deiner Studienzeit?

Es gab viele sehr schöne Momente, aber spontan fällt mir die Première meines Abschluss-­‐Showcases ein, das war unglaublich aufregend und ein sehr erfüllendes Gefühl. Ein sehr trauriges Erlebnis dagegen war, als meine beste Freundin in meinem Jahrgang in der Hälfte der Ausbildung aufhören musste, weil das Geld nicht gereicht hat. Sie ist sehr talentiert und ich hoffe sehr, sie wird ihren Weg auch so machen.

 

Während Deines Studiums in New York warst Du zum einen Stipendiatin der AMDA, aber auch der Fritz-­Gerber-­Stiftung für begabte junge Menschen. Wie war es für Dich diese Stipendien nutzen zu können und was haben sie Dir bedeutet?

Das war für mich eine sehr grosse Ehre und ich bin bis heute unglaublich dankbar, denn ohne diese beiden Stipendien wäre diese Ausbildung nicht möglich gewesen und ich hätte diese oben beschriebenen sehr prägenden Erfahrungen nicht machen können.

 

In New York auf der Bühne stehen zu können ist wohl der Traum aller Musicaldarsteller/Innen. Was hat es Dir speziell bedeutet und kannst Du dir vorstellen wieder in New York arbeiten zu können?

Das war auf jeden Fall eine Riesensache für mich. Ich hatte lange darauf hingearbeitet und dieses Ziel zu erreichen, hat mir sehr viel bedeutet. Vor allem war es auch toll zu wissen, dass ich die Sprache so gut gemeistert hatte, dass man mich nicht mehr als Nicht-­Amerikanerin entlarven konnte, darauf war ich sehr stolz. Ich könnte mir vorstellen, wieder da zu arbeiten, allerdings ist das aus bürokratischen Gründen (Visa, Arbeitsgenehmigung etc) nicht ganz unkompliziert und ich bin momentan hier so glücklich, dass es mich nicht unmittelbar zurückzieht. Aber wer weiss, was noch alles passiert 🙂

 

Wie würdest Du deine Zeit in New York in einem Satz beschreiben?

Eine vielseitige, halsbrecherische Achterbahnfahrt mit der besten Mitbewohnerin, aussergewöhnlichen Freunden und Lehrern, beeindruckende Bühnenmomenten (als Zuschauerin und als Darstellerin), nächtelangen Stadtwanderungen, vielen neuen Eindrücken, kreativen Diskussionen (zum Teil mit den erstaunlichsten Gesprächspartnern) und viel frittiertem Essen, Starbucks und frozen Yoghurt.

 

Auch in Europa standest Du auf der Bühne konntest dort in Engagements wie „Anna Bolena“, „Alfonsa di Monsa“, „Heidi das Musical“ oder „Frühlings Erwachen“ viele Erfahrungen sammeln. In der Schweizer Erstaufführung von „Titanic – Das Musical“ hast Du bei den Thunerseespielen die Rolle der Madeleine Astor übernommen. War es für Dich eine besondere Angelegenheit Teil des Ensembles einer Erstaufführung zu sein?

Es war auf jeden Fall eine grosse Sache für mich, vor allem auch, weil es mein erstes Engagement nach meiner Ausbildung im deutschsprachigen Raum war. Und ich mochte die Produktion sehr und war stolz, Teil davon zu sein.

 

Die Bühne der Thunerseespiele ist keine normale Bühne, denn sie wird im Thunersee errichtet. Würdest Du sagen, dass dadurch eine besondere Atmosphäre entsteht und könntest Du dir in Zukunft vorstellen noch einmal dort zu spielen?

Auf jeden Fall zweimal ja!!! Ich finde Freilichttheater sowieso etwas vom tollsten was es gibt und die Kulisse in Thun ist schlichtweg atemberaubend! Ich hatte dort eine tolle Zeit mit einer super Cast und einer Show, die mir sehr viel Spass gemacht hat.

 

„Heidi das Musical“ hast Du über einen sehr langen Zeitraum gespielt, wie war es für Dich so lange dort mitzuspielen?

Hm, also das ist vielleicht etwas verwirrend, ich hab Heidi vier Sommer lang gespielt, aber nicht durchgehend, sondern eben immer nur als 3.monatige Sommerproduktion. Ich war zu dem Zeitpunkt noch im Gymnasium und im Sommer Heidi zu spielen, also meinen zukünftigen Traumberuf ausüben zu können, war immer der Höhepunkt meines Schuljahres. Mit all den tollen Leuten dort zu arbeiten und auch ihnen bei ihrer Arbeit zuzuschauen, war ein riesiges Privileg für mich und ich hab dadurch schon bevor ich überhaupt eine Ausbildung gemacht hab, sehr viel gelernt. Plus, ich hatte dadurch immer 2 Monate länger Sommerferien als alle anderen, das ist ja auch nicht zu verachten 😉

 

Welche Charaktereigenschaften und Fähigkeiten sollte für Dich eine MusicaldarstellerIn haben?

Eine gute Singstimme und Tanzbegabung, sowie ein gewisses Schauspieltalent gehören natürlich dazu, aber auch Durchhaltevermögen, Selbstständigkeit und ein “optimistischer Realismus” sind wichtig.

 

Was ist für Dich das faszinierendste an Deinem Beruf?

Ich liebe die Idee, die Menschen für 2‐3 Stunden aus ihrem Alltag in eine spannende andere Welt zu entführen. Als Darsteller auf der Bühne merkt man es in der Regel, wenn die Leute komplett in der Geschichte drin sind und zum Beispiel in stillen Szenen trotz 1500 anwesenden Leuten kein Laut zu hören ist. Theater ist eine Art magische Seifenblase, die für ein paar Stunden alles andere unwichtig macht, ein Mini‐Urlaub sozusagen. Dass das möglich ist, fasziniert mich immer wieder.

 

Gibt es eine Traumrolle für Dich, die Du gerne einmal spielen möchtest?

Sehr viele! Bonnie in Bonnie&Clyde, Glinda in Wicked, Nathalie in next to Normal, Eponine in Les Misérables, Cathy in The Last 5 Years… Die Wunschliste ist lang!

 

Was war bisher Deine schönste Rolle?

Ich denke Scaramouche ist sicher eine der schönsten. Ich liebte aber auch meine Rolle als Meridian in Midnight-­‐Twenty, in einem kleinen Kellertheater in New York und Eli in „Das Gauklermärchen“. Irgendwie ist auch immer die Rolle, die man grade spielt, die die einem am nächsten steht. Ich habe bis jetzt alle meine Rollen sehr lieb gewonnen, das fühlt sich dann fast wie eine Art Freundschaft an.

 

Des Weiteren hast Du auch schon in Filmen wie „Found Time“, „Short Cuts“, „Blind End“ oder „Starters“ mitgewirkt. Kannst Du dir auch in Zukunft vorstellen in Filmen oder sogar Serien mitzuspielen?

Das wäre definitiv ein Traum von mir. Ich werde diesen Sommer den Film „Aurora“ drehen, ein Independent Film mit Kino-­‐Ambitionen. Ich spiele darin die Hauptrolle Calia. Eine Herausforderung, auf die ich mich sehr freue! Der geplante Release ist 2014, es soll eine Première hier und in Los Angeles geben. Auf www.aurorafilm.org kann man bei Interesse mehr über den Film lesen.

 

sneak peek aus Aurorasneak peek aus Aurora [Hauptrolle Calia – erscheint voraussichtlich 2014]

 

We Will Rock You

Was ist für Dich das Besondere an „We Will Rock You“?

Vieles! Da ist zuallererst mal die grandiose Musik von Queen! Ich habe diese Songs mittlerweile so oft wie nichts anderes in meinem Leben gehört und ich geniesse sie immer noch, das ist doch schon sehr speziell. Dann liebe ich die Szenen mit den Bohemians, ich mag die Vielfalt auf der Bühne, die verschiedenen Typen, Kostüme, Frisuren und die wilde Choreografie. Und sehr aussergewöhnlich ist bestimmt auch die riesige Resonanz vom Publikum, das habe ich sonst noch in keiner Show erlebt. Es ist ein tolles Gefühl, wenn 1500 Leute plus wir auf der Bühne alle zusammen dieses Erlebnis haben, das rockt dann richtig 🙂

 

Gibt es etwas was Du an Deiner Rolle Scaramouche am besten/besonders findest? Falls ja, was ist das für Dich?

Ich mag ihren Humor, ihre Schlagfertigkeit und ihre Intelligenz. Spannend für mich als Darstellerin war vor allem, mich an ihre verletzlichere Seite heranzuarbeiten, diese dann mit ganz viel Sarkasmus und trockenen Sprüchen zu überdecken und an nur wenigen Stellen im Stück durchschimmern zu lassen.

 

Hast Du ein Lieblingslied und/oder eine Lieblingsszene bei „We Will Rock You“, falls ja-­‐ welche?

 Mein Lieblingssong ist nach wie vor „Bohemian Rhapsody“. Meine Lieblingsszene ist die Liebesszene vor „Who wants to live forever“-­‐ Und ich mag auch „Somebody to love“ sehr gern und freue mich jeden Abend darauf. Keine Ahnung, ich mag alles 🙂

 

Wie viele Shows spielst Du in etwa in einer Woche?

In der Regel 5. Galileo, Scaramouche und die Killerqueen sind doppelt besetzt, da diese Rollen eine grosse stimmliche Belastung darstellen. Das ist natürlich ein grosser Luxus und ich kann mir dadurch erlauben, wesentlich mehr „draufzuhauen“ als wenn ich noch 2 Shows mehr spielen würde.

 

Wenn Du am Wochenende eine Doppelshow spielst, was machst Du dann zwischen den Shows?

Das kommt mit dem oben erklärten System sehr selten vor, aber wenn dann geh ich duschen, ess was und ruh mich aus.

 

Kam es bereits zu Pannen während der Show, an die Du dich sofort erinnerst und wie sahen diese aus?

Ja einige! Es passiert immer mal wieder was witziges, aber ich glaube, das Beste war, als unser Motorrad aus der Halterung brach. Ich merkte schon, dass es wackelt, als ich mich drauf setzte, aber spätestens als wir rückwärts statt vorwärts nach hinten fuhren, war mir klar, dass was nicht stimmte. Als wir dann abstiegen, konnte Bap (damals noch Polo) es zum Glück einigermassen sanft auf den Boden legen, aber da standen wir nun mit einer tonnenschweren Harley, die wir nicht bewegen konnten. Richtig absurd wurde es dann, als 4 Techniker (in der Szene) auf die Bühne kamen und sich abmühten, das Ding von der Bühne zu hieven. Ich hab den Vorfall dann später noch in den Text eingebaut und das Publikum und Bap/Polo und Galileo mussten nochmal lachen.

Liebe Jeannine,

an dieser Stelle möchte ich mich bei Dir für Deine Geduld bedanken und natürlich auch dafür, dass Du dir die Zeit genommen hast, die Fragen zu beantworten. Für Deine private und berufliche Zukunft wünsche ich Dir alles Liebe und Gute!

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Über heutemalkreativ

Wir sind ein (heutemal-) kreatives Dreiergespann, was sehr an Musicals, Schauspiel und Musik interessiert ist. Auf unserem Blog wollen wir nun versuchen einige interessante Interviews zu führen. Falls ihr Fragen oder Anregungen habt, schickt uns einfach eine Mail an: heutemalkreativ@web.de Viel Spaß! (:

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