Archiv für den Monat Oktober 2013

„Gefährten“ Berlin

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Theaterpremiere von "GefŠhrten" in Berlin / Englisches ErfolgsstŸck "War Horse" erstmals in deutscher Sprache / Erste Szenenfotos aus dem Theater des Westens© obs/Stage Entertainment Berlin/MORRIS MAC MATZEN
 

Es ist soweit:  das Theaterstück „Gefährten“  feierte gestern Abend Premiere im Theater des Westens Berlin.

„Gefährten“  läuft  bereits seit 2007 in London unter dem Titel „War Horse“  und spielte ebenfalls in Toronto, Melbourne und  New York. Für die Broadway-Produktion erhielt es beispielsweise im Jahr 2011 fünf Auszeichnungen des beliebten amerikanischen Theater- und Musicalpreises Tony Award  in verschiedenen Kategorien.  Ebenfalls im Jahr 2011 produzierte Steven Spielberg  den  Film „Gefährten“ (erschien im Februar 2012 in den deutschen Kinos), bei dem er wie auch das Stück selbst, von dem Buch „War Horse“ inspiriert wurde. Autor des Buches ist der Brite Michael Morpurgo, der vor allem in Groß Britannien als Abenteuerbuchautor für Kinder und Jugendliche bekannt ist und den Roman „War Horse“ bereits  im Jahr 1984 veröffentlichte.

Das Stück  „Gefährten“, welches von Stage Entertainment als „Theaterereignis des Jahrzehnts“ angekündigt wurde, spielt sich in der Zeit vor und während dem ersten Weltkrieg ab. In einem Dorf in England  ersteigert Ted Narracott für einen hohen Preis das Jagdfohlen Joey, welches auf der eigenen Farm von Sohn Albert aufgezogen wird. Nach einigen Schwierigkeiten  entwickelt sich  schnell eine tiefe Freundschaft zwischen dem Pferd und dem jungen Engländer und das Vertrauen zwischen ihnen wächst stetig an. Bei einer Musterung verkauft Albert´s Vater Ted,  trotz seines Versprechens es nicht zu tun, schließlich Joey an die Armee. Albert muss sich schweren Herzens von seinem Pferd trennen, verspricht ihm aber es bald wieder zu sehen. Während Albert aufgrund seines jungen Alters nicht in den Krieg ziehen kann, wird sein Cousin Billy von seinem Vater Arthur in den Krieg geschickt. Aus Sehnsucht zu  Joey macht sich Albert im Dezember 1914 auf die Suche nach seinem Pferd. Währenddessen wird Joey im Krieg eingesetzt, muss schwere Arbeiten verrichten und durch einen erstaunlichen Zufall finden die beiden am Ende wieder  zueinander.

Ein Theaterereignis ist „Gefährten“ in der Tat und durch seine Form und Machart sicherlich einzigartig. Einzigartig emotional, einzigartig ergreifend und vor allem aber einzigartig beeindruckend! Beeindruckend in vielerlei Hinsicht, besonders aber dadurch dass dieses Stück so realistisch umgesetzt wurde. Die Pferde wirken so real, dass nach wenigen Sekunden nicht mehr auffällt, dass sie von Menschen „gespielt“ werden. Sie wirken einfach echt-  wiehern wie richtige Pferde und verhalten sich vor allem auch so. Erschaffen wurden die Pferdepuppen von der Handspring Puppet Company und mit Hochleistung werden sie jeweils von 3 Darstellern gespielt.  Neben den Pferden Joey und Topthorn  stehen natürlich auch die anderen Figuren im Mittelpunkt. Alle Darsteller und Darstellerinnen haben einen überzeugenden Job getan. Nicht nur die Hauptdarsteller wie beispielsweise Philipp Lind, Heinz Hoenig, Silke Geertz, Peter Kaempfe, Matthias Renger, David Allers, Thaddäus Meilinger  oder Philipp Romann haben durch ihr Schauspiel geglänzt, sondern das gesamte Ensemble. Auch die Kinderdarstellerin der Rolle Emilie hat sich auf der großen Bühne sehr gut geschlagen.

Es ist kein typisches Musical, wie es sonst meist von Stage Entertainment betrieben wird, es ist ein Theaterstück mit etwas Gesang unterlegt. Des Weiteren ist es auch sehr düster angelegt. Die Handlung der Kriegsgeschichte trifft  vielleicht nicht den Geschmack aller Zuschauer, aber welches Stück trifft das schon? Einen Besuch ist es auf jeden Fall wert. Es ist anders, es ist neu und es ist gut. Trotzdem bleibt die Frage offen, ob dieses Theaterstück in Berlin seinen Weg finden wird, zu wünschen bleibt es dieser Produktion aber auf jeden Fall.

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„Ein Sommernachtstraum“ – Komische Oper Berlin

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 © Iko Freese / drama-berlin.de
 

Die Komische Oper Berlin lud zur Premiere von „Ein Sommernachtstraum“ und dieses Opernerlebnis ließen sich viele Zuschauer nicht nehmen.  Die Komische Oper ist jedes Mal ein beliebtes Opernhaus und bezaubert von allem durch die tolle Atmosphäre im Saal.

Iko Freese  drama-berlin.de© Iko Freese / drama-berlin.de

Das Stück selbst stammt von keinem geringeren als William Shakespeare und die Oper selbst stammt aus der Feder von Benjamin Britten. Erstmalig wurde die Oper im Jahr 1960 uraufgeführt.  Nachdem es zuerst 5 Akte hatte, wurde es später auf 3 gekürzt.

Handlung:

Im ersten Akt gibt es einen Streit zwischen König Oberon und Königin Titania um einen indischen Jungen, welchen die Königen nicht hergeben möchte. Dies lässt Oberon natürlich nicht auf sich sitzen und beauftragt den Elfen Puck ein Mittel zu besorgen, was dazu veranlasst dass man sich in das nächste Tier, welches man sieht verliebt. Währenddessen sind Hermia und Lysander auf der Flucht in den Wald, denn sie fliehen vor der ungewollten Hochzeit Hermias mit Demetrius. Dieser verfolgt die zwei mit Helena, welche heimlich und unglücklich in ihn verliebt ist. Als der Elf Puck mit dem Zaubermittel zurück kommt, befiehlt Oberon ihm allerdings dass er das Mittel Demetrius gibt und dieser sich so in Helena verlieben soll.Der Elf verabreicht es allerdings Lysander, welcher sich im Anschluss in Helena verliebt.

Im zweiten Akt laufen die Proben für die Hochzeit des Landesfürsten weiter und die Elfen sind in ihrem Element. Zur gleichen Zeit schafft es der Oberon endlich Demetrius das Mittel zu geben und dieser verliebt sich endlich in Helena. Aus Angst, dass das Liebesdreieck zwischen Helena, Lysander und Demetrius weiter ausartet, soll der Elf Puck dieses auflösen.

Wer wissen möchte, wie dieses Stück ausgeht, sollte sich „Ein Sommernachtstraum“ in der Komischen Oper Berlin ansehen. Besonders beeindruckend wirkte auch das Bühnenbild zum Stück.

Auch die Besetzung überzeugte auf ganzer Linie und war erstklassig besetzt. Als Oberon, der König der Elfen, war David DQ LEE zu sehen und als Titania Nicole Chevalier. In weiteren Rollen waren außerdem  Gundars Āboliņš, Alexey Antonov, Christiane Oertel, Tansel Akzeybek, Günter Papendell, Annelie Sophie Müller, Adela Zaharia, Stefan Sevenich, Jens Larsen, Peter Renz, Hans-Martin Nau, Máté Gál und Bernhard Hansky,

In allem bleibt zu sagen, dass dieser Klassiker der Opern überzeugt hat und definitv einen Besuch wert ist.

Tickets unter: http://www.komische-oper-berlin.de

 

Iko Freese  drama-berlin.de 4© Iko Freese / drama-berlin.de

 

 
 

Interview mit Jeannine Michele Wacker

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© Shirin Tinati 1© Shirin Tinati/ Jeannine Michele Wacker

Hallöchen Ihr Lieben,

ich habe heute ein weiteres Interview für Euch! Dieses Mal von und mit der Musicaldarstellerin Jeannine Michele Wacker, die bis 30.06.2013 noch als Scaramouche  in  „We Will Rock You“  im Colosseum Theater Essen zu sehen war.

Bereits vor ihrer Ausbildung zur  Musicaldarstellerin begann sie ein Vorstudium im Bereich Gesang und nahm an einem Vorkurs im Fach Theater am Konservatorium Zürich teil. Des Weiteren spielte sie auch vor ihrem Studium schon in Produktionen wie beispielsweise in „Frühlings Erwachen“ oder „Heidi – Das Musical“ mit.

Ihre Ausbildung absolvierte Jeannine dann  an der renommierten New Yorker American Musical and Dramatic Academy und war dort während ihres Studiums  Stipendiatin der AMDA und der Fritz Gerber-Stiftung.

Nach ihrem Abschluss  in New York spielte sie in verschiedenen Off-Broadway-Produktionen  mit, bevor sie zurück nach Europa ging und dort bei den Thunerseespielen im Stück „Titanic – Das Musical“ die Rolle der Madeleine Astor übernahm. Zu den unterschiedlichen Off-Broadway-Produktionen die Jeannine  in New York spielte zählten beispielsweise Engagements wie „Angelina Ballerina“, „Good Good Trouble On Bad Bad Island“, „David – The Musical“ oder „Midnight – Twenty“.

Auch im Bereich Film sammelte Jeannine viel Erfahrung und stand dort unter anderem für folgende Produktionen vor der Kamera: in „The Last Rezort“  in der Rolle der Jean, in „Perspective Treatment“, in „Blind End“, in „Like!“ übernahm sie die Rolle der Heidi Schulz und in „Starters“ verkörperte sie Callie Woodland.

Bis vor kurzem stand sie wie bereits erwähnt im Musical „We Will Rock You“ als Scaramouche  im Colosseum Theater Essen auf der Bühne und wird diesen Sommer für den Independentfilm „Aurora“, in dem sie die Hauptrolle Calia übernehmen wird, drehen. Das geplante Release wird voraussichtlich  2014 stattfinden.

Wenn Ihr nun mehr über Jeannine Michele Wacker erfahren wollt, wünsche ich Euch viel Spaß beim Lesen des Interviews!

 

c Julia Bornkessel 1© Julia Bornkessel/ Jeannine Michele Wacker

Allgemeines


 

Wie würdest Du dich selbst beschreiben?

Quirlig, Mutig, Neugierig

 

Was ist für Dich das schönste am Tag?

Mit der Sonne im Gesicht aufwachen und wissen, dass es ein toller Tag wird.

 

Was macht Dich glücklich?

Die grossartigen Menschen in meinem Leben, Freiheit, Reisen und diese ganz speziellen Momente auf der Bühne, die ich immer wieder erleben darf. Und Schoggi 😉

 

Ohne was kannst Du nicht mehr leben?

Musik und Reisen.

 

Hast Du einen besonderen Tick oder eine Macke die Du mit uns teilen möchtest?

Ich drücke mindestens 5mal auf „Snooze“ bevor ich wirklich aufstehe – ich bin morgens eine richtige Schlafmütze!

 

Was würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen?

Ich liebe es, Bücher zu kaufen. Leider fehlt mir dann oft die Zeit, sie alle zu lesen, ich hab schon eine richtige Sammlung. Die würd ich mitnehmen 🙂

 

Was wünschst Du dir für deine Zukunft?

Ich hoffe, dass ich als Mensch und als Darstellerin weiter wachsen kann, an tollen Rollen, spannenden Stücken und den interessanten  und vielseitigen Menschen, die man im Theater trifft. Und ich will so viel wie möglich von der Welt sehen.

 

Wenn Du eine Superheldin sein könntest, was wäre dann Deine Fähigkeit/en?

Fliegen können, das wär toll!!

 

Deine Lieblingsfarbe ist: grün

Dein Lieblingsauto ist: äh Autos? Ich kann nicht mal fahren…^

Dein Lieblingstier ist: Katze

Deine Lieblingskleidung ist: ein leichtes Sommerkleid und Sandalen

Deine Lieblingsmusik ist: je nach Laune. Zurzeit höre ich The Pretty Reckless, Lana del Rey, Adele und Katie Melua.

Dein  aktuelles Lieblingsbuch ist: The Kite Runner von Khaled Hosseini

Dein Lieblingsfilm ist: Before Sunrise/Before Sunset

Dein Lieblingstheaterstück (und/oder) Musical ist: Next to Normal, Wicked

 

Bilder aus dem Programm CRUSH (2013)

Schauspiel ,Ausbildung, usw.

Wieso wolltest Du Musicaldarstellerin werden? Hat Dich bei deinem Berufswunsch eine Person oder etwas anderes inspiriert?

Als ich 4 war hab ich mit meinen Eltern „Cats“ in Basel gesehen und es war Liebe auf den ersten Blick. Als ich 9 war, fing ich an im Opernhaus Zürich kleine Kinderrollen zu übernehmen und im Kinderchor zu singen und hab so auch die Menschen und die Welt hinter der Bühne kennen gelernt. Ziemlich bald war mir klar, dass ich so viel Zeit meines Lebens wie nur möglich in dieser Welt verbringen will.

 

Du wurdest an der American Musical and Dramatic Academy in New York ausgebildet. Wieso hast Du dich dazu entschlossen, Deine Ausbildung dort zu absolvieren? Was kannst Du uns über diese Zeit berichten?

Hmm ich glaube, das war vor allem Abenteuerlust und die Neugier auf diese legendäre Stadt. Der Gedanke, da wo Musical geboren und geprägt wurde meine Ausbildung zu machen und von Leuten unterrichtet zu werden, die tatsächlich am Broadway gespielt haben, faszinierte mich. Also hab ich’s einfach mal versucht und wurde prompt aufgenommen. Ich kann darüber sagen, dass es bis jetzt die wohl turbulentesten 3 Jahre meines Lebens waren. Ich habe in dieser Zeit eine sehr grosse Entwicklung durchgemacht, wahnsinnig viel gelernt und alles, was ich erlebt habe, hat mich als Person und als Darstellerin bereichert und weitergebracht. Ich glaube, viele meiner heutigen Einstellungen und Eigenschaften sind geprägt durch mein Leben dort. Und: New York hat für mich seine Faszination nie verloren. Auch wenn ich heute besuchsweise hin fahre und an der 42nd street aus der subway die Treppe hochsteige und die vielen Lichter des Times Square sehe und mir klar mache, wie viel Talent und Kreativität hier in geballter Ladung versammelt ist, fühle ich mich noch immer so, wie als ich mit 19 das erste mal da war.

 

Was war für Dich die positivste und was die negativste Erfahrung während Deiner Studienzeit?

Es gab viele sehr schöne Momente, aber spontan fällt mir die Première meines Abschluss-­‐Showcases ein, das war unglaublich aufregend und ein sehr erfüllendes Gefühl. Ein sehr trauriges Erlebnis dagegen war, als meine beste Freundin in meinem Jahrgang in der Hälfte der Ausbildung aufhören musste, weil das Geld nicht gereicht hat. Sie ist sehr talentiert und ich hoffe sehr, sie wird ihren Weg auch so machen.

 

Während Deines Studiums in New York warst Du zum einen Stipendiatin der AMDA, aber auch der Fritz-­Gerber-­Stiftung für begabte junge Menschen. Wie war es für Dich diese Stipendien nutzen zu können und was haben sie Dir bedeutet?

Das war für mich eine sehr grosse Ehre und ich bin bis heute unglaublich dankbar, denn ohne diese beiden Stipendien wäre diese Ausbildung nicht möglich gewesen und ich hätte diese oben beschriebenen sehr prägenden Erfahrungen nicht machen können.

 

In New York auf der Bühne stehen zu können ist wohl der Traum aller Musicaldarsteller/Innen. Was hat es Dir speziell bedeutet und kannst Du dir vorstellen wieder in New York arbeiten zu können?

Das war auf jeden Fall eine Riesensache für mich. Ich hatte lange darauf hingearbeitet und dieses Ziel zu erreichen, hat mir sehr viel bedeutet. Vor allem war es auch toll zu wissen, dass ich die Sprache so gut gemeistert hatte, dass man mich nicht mehr als Nicht-­Amerikanerin entlarven konnte, darauf war ich sehr stolz. Ich könnte mir vorstellen, wieder da zu arbeiten, allerdings ist das aus bürokratischen Gründen (Visa, Arbeitsgenehmigung etc) nicht ganz unkompliziert und ich bin momentan hier so glücklich, dass es mich nicht unmittelbar zurückzieht. Aber wer weiss, was noch alles passiert 🙂

 

Wie würdest Du deine Zeit in New York in einem Satz beschreiben?

Eine vielseitige, halsbrecherische Achterbahnfahrt mit der besten Mitbewohnerin, aussergewöhnlichen Freunden und Lehrern, beeindruckende Bühnenmomenten (als Zuschauerin und als Darstellerin), nächtelangen Stadtwanderungen, vielen neuen Eindrücken, kreativen Diskussionen (zum Teil mit den erstaunlichsten Gesprächspartnern) und viel frittiertem Essen, Starbucks und frozen Yoghurt.

 

Auch in Europa standest Du auf der Bühne konntest dort in Engagements wie „Anna Bolena“, „Alfonsa di Monsa“, „Heidi das Musical“ oder „Frühlings Erwachen“ viele Erfahrungen sammeln. In der Schweizer Erstaufführung von „Titanic – Das Musical“ hast Du bei den Thunerseespielen die Rolle der Madeleine Astor übernommen. War es für Dich eine besondere Angelegenheit Teil des Ensembles einer Erstaufführung zu sein?

Es war auf jeden Fall eine grosse Sache für mich, vor allem auch, weil es mein erstes Engagement nach meiner Ausbildung im deutschsprachigen Raum war. Und ich mochte die Produktion sehr und war stolz, Teil davon zu sein.

 

Die Bühne der Thunerseespiele ist keine normale Bühne, denn sie wird im Thunersee errichtet. Würdest Du sagen, dass dadurch eine besondere Atmosphäre entsteht und könntest Du dir in Zukunft vorstellen noch einmal dort zu spielen?

Auf jeden Fall zweimal ja!!! Ich finde Freilichttheater sowieso etwas vom tollsten was es gibt und die Kulisse in Thun ist schlichtweg atemberaubend! Ich hatte dort eine tolle Zeit mit einer super Cast und einer Show, die mir sehr viel Spass gemacht hat.

 

„Heidi das Musical“ hast Du über einen sehr langen Zeitraum gespielt, wie war es für Dich so lange dort mitzuspielen?

Hm, also das ist vielleicht etwas verwirrend, ich hab Heidi vier Sommer lang gespielt, aber nicht durchgehend, sondern eben immer nur als 3.monatige Sommerproduktion. Ich war zu dem Zeitpunkt noch im Gymnasium und im Sommer Heidi zu spielen, also meinen zukünftigen Traumberuf ausüben zu können, war immer der Höhepunkt meines Schuljahres. Mit all den tollen Leuten dort zu arbeiten und auch ihnen bei ihrer Arbeit zuzuschauen, war ein riesiges Privileg für mich und ich hab dadurch schon bevor ich überhaupt eine Ausbildung gemacht hab, sehr viel gelernt. Plus, ich hatte dadurch immer 2 Monate länger Sommerferien als alle anderen, das ist ja auch nicht zu verachten 😉

 

Welche Charaktereigenschaften und Fähigkeiten sollte für Dich eine MusicaldarstellerIn haben?

Eine gute Singstimme und Tanzbegabung, sowie ein gewisses Schauspieltalent gehören natürlich dazu, aber auch Durchhaltevermögen, Selbstständigkeit und ein “optimistischer Realismus” sind wichtig.

 

Was ist für Dich das faszinierendste an Deinem Beruf?

Ich liebe die Idee, die Menschen für 2‐3 Stunden aus ihrem Alltag in eine spannende andere Welt zu entführen. Als Darsteller auf der Bühne merkt man es in der Regel, wenn die Leute komplett in der Geschichte drin sind und zum Beispiel in stillen Szenen trotz 1500 anwesenden Leuten kein Laut zu hören ist. Theater ist eine Art magische Seifenblase, die für ein paar Stunden alles andere unwichtig macht, ein Mini‐Urlaub sozusagen. Dass das möglich ist, fasziniert mich immer wieder.

 

Gibt es eine Traumrolle für Dich, die Du gerne einmal spielen möchtest?

Sehr viele! Bonnie in Bonnie&Clyde, Glinda in Wicked, Nathalie in next to Normal, Eponine in Les Misérables, Cathy in The Last 5 Years… Die Wunschliste ist lang!

 

Was war bisher Deine schönste Rolle?

Ich denke Scaramouche ist sicher eine der schönsten. Ich liebte aber auch meine Rolle als Meridian in Midnight-­‐Twenty, in einem kleinen Kellertheater in New York und Eli in „Das Gauklermärchen“. Irgendwie ist auch immer die Rolle, die man grade spielt, die die einem am nächsten steht. Ich habe bis jetzt alle meine Rollen sehr lieb gewonnen, das fühlt sich dann fast wie eine Art Freundschaft an.

 

Des Weiteren hast Du auch schon in Filmen wie „Found Time“, „Short Cuts“, „Blind End“ oder „Starters“ mitgewirkt. Kannst Du dir auch in Zukunft vorstellen in Filmen oder sogar Serien mitzuspielen?

Das wäre definitiv ein Traum von mir. Ich werde diesen Sommer den Film „Aurora“ drehen, ein Independent Film mit Kino-­‐Ambitionen. Ich spiele darin die Hauptrolle Calia. Eine Herausforderung, auf die ich mich sehr freue! Der geplante Release ist 2014, es soll eine Première hier und in Los Angeles geben. Auf www.aurorafilm.org kann man bei Interesse mehr über den Film lesen.

 

sneak peek aus Aurorasneak peek aus Aurora [Hauptrolle Calia – erscheint voraussichtlich 2014]

 

We Will Rock You

Was ist für Dich das Besondere an „We Will Rock You“?

Vieles! Da ist zuallererst mal die grandiose Musik von Queen! Ich habe diese Songs mittlerweile so oft wie nichts anderes in meinem Leben gehört und ich geniesse sie immer noch, das ist doch schon sehr speziell. Dann liebe ich die Szenen mit den Bohemians, ich mag die Vielfalt auf der Bühne, die verschiedenen Typen, Kostüme, Frisuren und die wilde Choreografie. Und sehr aussergewöhnlich ist bestimmt auch die riesige Resonanz vom Publikum, das habe ich sonst noch in keiner Show erlebt. Es ist ein tolles Gefühl, wenn 1500 Leute plus wir auf der Bühne alle zusammen dieses Erlebnis haben, das rockt dann richtig 🙂

 

Gibt es etwas was Du an Deiner Rolle Scaramouche am besten/besonders findest? Falls ja, was ist das für Dich?

Ich mag ihren Humor, ihre Schlagfertigkeit und ihre Intelligenz. Spannend für mich als Darstellerin war vor allem, mich an ihre verletzlichere Seite heranzuarbeiten, diese dann mit ganz viel Sarkasmus und trockenen Sprüchen zu überdecken und an nur wenigen Stellen im Stück durchschimmern zu lassen.

 

Hast Du ein Lieblingslied und/oder eine Lieblingsszene bei „We Will Rock You“, falls ja-­‐ welche?

 Mein Lieblingssong ist nach wie vor „Bohemian Rhapsody“. Meine Lieblingsszene ist die Liebesszene vor „Who wants to live forever“-­‐ Und ich mag auch „Somebody to love“ sehr gern und freue mich jeden Abend darauf. Keine Ahnung, ich mag alles 🙂

 

Wie viele Shows spielst Du in etwa in einer Woche?

In der Regel 5. Galileo, Scaramouche und die Killerqueen sind doppelt besetzt, da diese Rollen eine grosse stimmliche Belastung darstellen. Das ist natürlich ein grosser Luxus und ich kann mir dadurch erlauben, wesentlich mehr „draufzuhauen“ als wenn ich noch 2 Shows mehr spielen würde.

 

Wenn Du am Wochenende eine Doppelshow spielst, was machst Du dann zwischen den Shows?

Das kommt mit dem oben erklärten System sehr selten vor, aber wenn dann geh ich duschen, ess was und ruh mich aus.

 

Kam es bereits zu Pannen während der Show, an die Du dich sofort erinnerst und wie sahen diese aus?

Ja einige! Es passiert immer mal wieder was witziges, aber ich glaube, das Beste war, als unser Motorrad aus der Halterung brach. Ich merkte schon, dass es wackelt, als ich mich drauf setzte, aber spätestens als wir rückwärts statt vorwärts nach hinten fuhren, war mir klar, dass was nicht stimmte. Als wir dann abstiegen, konnte Bap (damals noch Polo) es zum Glück einigermassen sanft auf den Boden legen, aber da standen wir nun mit einer tonnenschweren Harley, die wir nicht bewegen konnten. Richtig absurd wurde es dann, als 4 Techniker (in der Szene) auf die Bühne kamen und sich abmühten, das Ding von der Bühne zu hieven. Ich hab den Vorfall dann später noch in den Text eingebaut und das Publikum und Bap/Polo und Galileo mussten nochmal lachen.

Liebe Jeannine,

an dieser Stelle möchte ich mich bei Dir für Deine Geduld bedanken und natürlich auch dafür, dass Du dir die Zeit genommen hast, die Fragen zu beantworten. Für Deine private und berufliche Zukunft wünsche ich Dir alles Liebe und Gute!