Interview mit Gerd Achilles

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Gerd Achilles

© Gerd Achilles/Karim Khawatmi

 

Es ist Montag und das heißt es ist Interviewtime!!!

Dieses Interview wurde mit einem Musicaldarsteller geführt, der noch bis zum Ende der Spielzeit in Stuttgart im Palladium Theater im Musical „Rebecca“ als Swing und in den Rollen „Frank Crawley, Oberst Julian, Giles, Horridge, Robert, Frith“ zu sehen ist.

Gerd Achilles hat sich die Mühe gemacht dieses tolle Interview mit uns zu führen und wie ihr gleich sehen und lesen werdet ist es nicht nur super informativ sondern auch mit reichlichen, tollen Bildern gespickt!

Gerd wurde in Siegburg bei Köln geboren und fing 1997 mit seinem Studium an der Bayerischen Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater in München und konnte bereits während dieses Studiums Bühnenerfahrungen sammeln, da er für Roman Polanskis Musical „Tanz der Vampire“ an die Vereinigten Bühnen Wien engagiert worde.

Später folgten Engagements u. a. an die Wiener Kammeroper, an das Raimundtheater Wien,
das Thüringer Landestheater, das Staatstheater Meiningen, das Theater Hof, die Musikalische Komödie Leipzig, die Schlossfestspiele Ettlingen sowie die Bad Hersfelder Festspiele,
wo er, neben Opern wie Brittens Sommernachtstraum als „Puck“ oder in der Operette „Die Csárdásfürstin“ als „Graf Boni“, hauptsächlich in Musicals wie „Les Misérables“, „Hair“, „Company“, „Can Can“, „Jesus Christ Superstar“, „Mein Freund Bunbury“ oder „Ludwig II“ zu sehen war.

Im Festspielhaus Füssen verkörperte Gerd bis 2007 auch die Titelrolle des legendären Märchenkönigs.

2007/08 war Gerd Achilles für ein Jahr Student im Postgraduate Musical Theatre Course an der renommierten “Royal Academy Of Music” in London. Während dieser Zeit, in der er sogar die Ehre hatte, vor der Queen persönlich aufzutreten, sah man ihn in „Grand Hotel“ am Sir Jack Lyons Theatre in London.

2008 tourte er dann mit dem Musical „Hair“ durch Schweden. Zurück in Deutschland konnte man ihn 2009 als „Louis XVI“ sowie als „Turgot“ in der europäischen Erstaufführung von „Marie Antoinette“ am Theater Bremen bewundern.

Im Anschluss folgten Hauptrollen in „Sweet Charity“ am Staatstheater Nürnberg, „Chess“ am Theater Lüneburg, die Uraufführung „Bahn Frei!“ am Theater Fürth sowie „Crazy For You“ am Theater Fürth.

Was er uns über seinen bewundernswerten Werdegang, seinen zahlreichen Engagements und seinem jetzigen Engagement zu berichten  hat könnt ihr jetzt im folgenden Interview lesen.

Viel Spaß dabei!!

 

Allgemeines

 

Wie würdest Du dich selbst beschreiben?

 Oooch, ganz ok eigentlich…

Was ist für Dich das schönste am Tag?

 ….na, das kommt auf den jeweiligen  Tag an, ist ja jeder anders. Anfangen tut der Tag aber bei mir erst mit der ersten Tasse Kaffee, vorher geht so gar nichts.

Ohne was kannst Du nicht mehr leben?

Klingt schrecklich materialistisch, aber momentan nicht ohne meinen Computer, da ist grad einfach alles drin, Arbeitskram, Videos, Noten , Musik, Adressen….

Hast Du einen besonderen Tick oder eine Macke die Du mit uns teilen möchtest?

Trink grad zu viel Kaffee, verflixte Nespresso- Maschine…….

Was wünscht Du dir für deine Zukunft?

Gesundheit, ist das Wichtigste…

Dein Lieblingstier ist: Och, mag fast alle….

Deine Lieblingskleidung ist: Keine bestimmte…nur ungern ohne Mütze

Dein aktuelles Lieblingsbuch ist: Nicht „Shades Of Grey“!!!

Dein Lieblingsfilm ist: So viele, u.a. Up In The Air,  Les Petit Mouchoirs (Kleine Wahre Lügen) (toller Film, bitte gucken!),

Dein Lieblingstheaterstück (und/oder) Musical ist:

Musicals z.B. A Little Night Music,  Rent, The Color Purple, Light In The Piazza, Evita, Into The Woods

Theaterstücke z.B. Doubt, Der Kissenmann

 

Schauspiel, Ausbildung, usw .

Wieso wolltest Du Musicaldarsteller werden? Hat Dich bei deinem Berufswunsch eine Person oder etwas anderes inspiriert?

Ganz klassisch: Ich habe „Cats“  in Wien gesehen, später  Elisabeth.. das hat mich für das Genre Musical begeistert. So wurde ich zuerst „Fan“ , hab alles gelesen und gehört, was mit Musicals zu tun hat, dann habe ich Workshops etc. besucht, mit 15 Jahren dann Gesangsunterricht angefangen.

Nach dem Abitur habe ich dann Aufnahmeprüfungen an den Musikhochschule Leipzig, der Stage School und der Bayerischen Theaterakademie gemacht, und es hat glücklicherweise überall geklappt, entschieden hab ich mich für die Bayerische Theaterakademie. gl und der Bayerischen TheaterakAufnahmeprüfungen an den Musikhochschule Leipzug, der Stage School und der Bayerischen Theaterak

Du hast Dein Studium an der Bayerischen Theaterakademie August Everding im Prinzregententheater in München absolviert. Was sind Deine positiven, aber auch negativen Erfahrungen, die Du mit dieser Zeit verbindest?

Die Theaterakademie war damals sehr neu, wir waren erst der zweite Musical -Jahrgang, den es überhaupt gab, wir waren  nur 16 Studenten insgesamt. Dementsprechend war alles noch nicht so gut organisiert, wie das heute dort der Fall ist.

Im ersten Jahr war die Musicalabteilung in der Steubenhall, einer alten ziemlich trostlosen Halle weit ab vom Schuss in München Giesing untergebracht, in unmittelbarer Nähe des Gefängnisses Stadelheim, manchmal mussten  Häftlinge unseren Hof kehren, während wir Ballettunterricht hatten, das war dann schon sehr skurril, weil wir vom Fenster alles mitverfolgen konnten und umgekehrt.

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Aber die Musicalabteilung der Theaterakademie hat sich sehr gemacht, wir residieren jetzt in einer feudalen Villa in München Bogenhausen, ich bin immer wieder erstaunt , was für tolle Leute von dort den Weg auf die grossen Bühnen finden.

Schon während Deines Studiums hast Du ein Engagement bei „Tanz der Vampire“ (Wien) bekommen. Wie war es für Dich, schon während Deines Studiums Teil eines großen Engagements zu sein?

Eher anstrengend. Ich habe die letzten drei Monate der Produktion mitgespielt, weil ein Kollege dort ein anderes Engagement bekam, ich wurde daraufhin von den VBW gefragt, ob ich den Part übernehmen möchte, da man mich von einer Audition kannte. Vicki Hall von der Theaterakademie, in deren zweitem Ausbildungsjahr ich gerade war, gab ihr OK für eine mehrmonatige Studienauszeit, und schwupps war ich in Wien.

Proben waren für mich schwierig, weil ich mit dem Dance Captain innerhalb kurzer Zeit die ganze Show alleine auf der Probebühne lernen musste. Klar ist es ein toller Start, wenn dein erster Job direkt „Tanz Der Vampire“ in Wien ist, aber dementsprechend stressig ist es auch und die Anforderungen sind hoch, für mich als Studenten ins kalte Wasser zu springen.

Natürlich konnte auf die Tatsache, dass ich noch ganz frisch war und null Ahnung, wenig Rücksicht genommen werden, die Show muss laufen.

So war ja es in erster Linie anstrengend, da ich versucht habe, alles immer richtig zu machen. Trotzdem eine tolle Erfahrung, ich erinnere mich vor allem an die letzte Vorstellung, als Steve

Barton nochmal zurückgekommen ist. Seine „Gier“ war der Hammer, und ich kann immerhin sagen, dass ich mit Steve Barton auf der Bühne Menuett getanzt habe…

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 Raimundtheater Wien  1999

 

Während Deiner bisherigen Karriere hast Du schon in verschiedenen Städten gespielt, wie unter anderem Wien, Meiningen, Leipzig oder Stuttgart. Hast Du Dich immer schnell an die neuen Orte, Theater und Leute gewöhnt? Was ist Deine Lieblingsstadt, in der Du gespielt hast?

Och das Gewöhnen geht immer schnell, eigentlich ist jede Stadt auf ihre Weise spannend, besonders gern gearbeitet habe ich in Füssen, die Landschaft ist wunderschön, und durch die Abgeschiedenheit des Ortes wächst eine Cast besonders zusammen.

Im Contra- Kreis- Theater in Bonn oder im Musical-Dome in Köln zu spielen war auch schön, einfach weil ich im Köln-Bonner Raum aufgewachsen bin, und die Theater seit meiner Kindheit kannte. Da war es schon toll, mal selber dort zu spielen.

Im Festspielhaus Füssen verkörpertest Du die Titelrolle des Märchenkönigs. Wie war es für Dich, so eine große Rolle verkörpern zu dürfen?

Natürlich ein Traum. Ich habe mit und bei dieser Rolle viel lernen dürfen, ich war Cover von Jan Ammann und habe schätzungsweise zweimal die Woche gespielt, also sehr oft für eine Zweitbesetzung. Zudem hat man bei dieser Produktion den Zweitbesetzungen viel Raum für ihre eigene Interpretation der Rolle gelassen, so dass letztendlich wirklich mein „Ludwig“ dort auf der Bühne zu sehen war. Füssen…tolle Zeit, tolle Cast und tolle Fans damals.

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mit Barbara Obermeier als  „Ludiwg II

 

2007 hast Du an der  Royal Academy Of Music in London studiert. Wie waren Deine Auslandserfahrungen bezogen auf das Studium? Was meinst Du ist der grundlegende Unterschied zu einem Studium im Ausland im Gegensatz zu Deutschland oder gibt es vielleicht keinen?

London ist nun mal neben New York die Heimat für Musicals, und das macht einfach den Unterschied aus. Hier ist es noch eine importierte Kunstform, die immer noch nicht ganz ernst genommen wird. Das Genre dort ist vielfältiger als hier, es gibt nicht nur die EINE Firma, die alles produziert und zum Erfolg verdammt ist, sondern unzählige kleine Theater und Produktionsfirmen , die unzählige neue kleine Musicals auf die Bühne bringen, von denen die meisten natürlich nicht überleben.

Das Studium selber ist nicht grundlegend anders als bei uns, würde ich sagen, Schwerpunkte werden anders gelegt, aber auch je nach Ausbildungsort in London, so gibt es Musicalschulen dort , die wesentlich mehr Wert auf Tanz legen als etwa die Royal Academy , andere mehr auf Schauspiel.

Prinzipiell wage ich zu behaupten, dass die Engländer generell im Schauspiel und im Tanz besser ausgebildet werden, während gesanglich die deutschen Darsteller sich bestimmt nicht verstecken müssen. An der Royal Academy ist „Acting Through Singing“  ein sehr  wichtiger Ausbildungsaspekt, also dass man nie „nur“ ein Lied singen soll, sondern das Wichtigste ist, etwas damit zu erzählen.

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Christmas Concert an der Royal Academy of Music, London

 

Während unseres Studiums haben wir vor der Queen gesungen, hatten Workshops bei Jason Robert Brown, Hugh Grant, Sian Phillips, Phillip Quast und vielen anderen tollen Leuten, die einfach nun mal in London leben oder oft da sind, solche Leute mal so eben nach München zu bekommen, wäre dagegen undenkbar.

Du hast nicht nur Engagements deutschlandweit, sondern auch in Europa gespielt. Unter anderem wie gesagt in London oder Schweden. Würdest Du auch weiterhin Rollenangebote im Ausland annehmen?

Natürlich, super gerne sogar, obwohl es natürlich viel schwerer ist, in einer fremden Sprache zu spielen und zu singen. Letztes Jahr war ich bei den „Les Misérables“ Auditions in Barcelona und bin bis ins Final für Javert gekommen. Dann musste ich innerhalb drei Tage „Javerts Selbstmord“ und „Stars“ auf spanisch lernen.  Das war Horror…ich hab den Job übrigens nicht bekommen….

Nachdem Du mit „Hair“ durch Schweden getourt bist warst Du Teil der Erstaufführung von „Marie Antoinette“ in Bremen. Wie war es für Dich nach der längeren Zeit wieder in Deutschland zu spielen? Was war es für ein Gefühl für Dich, Teil der Premierenbesetzung von „Marie Antoinette“ zu sein?

Erstmal schwierig, ich hab die Angebote für „Hair“ und „Marie Antoinette“ während meines Studiums in London bekommen, und habe quasi deswegen meine Zelte in London direkt nach dem Studium abgebrochen, obwohl für meine Mitstudenten dort dann die spannende Zeit erst anfing mit Auditions , Agentenvorsingen usw. Aber ich musste mich entscheiden zwischen ersmal arbeitlsos in London sein, oder eben Jobs auf dem Kontinent. Nachdem London sehr teuer ist, hab ich mich für zweites entschieden.

Marie Antoinette war ausserdem  eine sehr verlockende Sache für mich, war ich doch seit Elisabeth und Mozart ein Riesenfan von Levay und Kunze.

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So….haltet euch fest, wahre Geschichte……ich sitze nämlich gerade während ich die Fragen beantworte,  im ICE von Stuttgart nach Hamburg, und gerade im Moment wo ich von Marie Antoinette schreibe, kommt eine junge Dame, sagt „Hi, Gerd“ , ich schau hoch und es ist Roberta Valentini, die ich seit Monaten nicht mehr gesehen haben und die gerade auf dem Weg nach Hamburg ist…..verrückte Sachen gibt. Tolle Roberta!

Welche Charaktereigenschaften und Fähigkeiten sollte für Dich ein Musicaldarsteller haben?

Neben den offensichtlichen Fähigkeiten, die man auf einer Bühne braucht, sollte ein Darsteller dieselben  Charaktereigenschaften haben wie jeder Mensch, mit dem man lange Zeit in einer Gruppe arbeiten muss, da ist es egal ob Bühne oder Büro. Fairness und Respekt der Arbeit und den Kollegen gegenüber.

Was ist für Dich das faszinierendste an Deinem Beruf?

Dass Leute dafür Geld bezahlen, uns auf der Bühne zu sehen. Ist doch Wahnsinn, oder?

Was war bisher Deine schönste Rolle?

Eine Rolle, in der ich mich sehr zuhause gefühlt habe, war Ludwig im gleichnamigen Musical. Dasselbe galt für Anatoly in Chess. Zwei Charaktere, die mir privat sehr ähnlich sind, deswegen einfach und schön zu spielen.

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Chess

 

Rebecca

In dem Musical „Rebecca“ bist Du nicht nur als Swing zu sehen sondern auch als Cover Frank Crawley, Giles / Horridge, Oberst Julian, Frith, und Robert. Wie hast Du es geschafft so viele Rollen zu erlernen?

 Mit viel Geduld und Arbeit. J

Hast Du die Geschichte (Buch, Film, Musical) vorher bereits gekannt?

Ja, ich hatte das Musical bereits in Wien gesehen.

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als Frank Crawley

 

Was ist für Dich das besondere an Rebecca?

 Pia.

Wie viele Shows spielst Du in etwa in einer Woche?

Momentan eigentlich immer sieben, wir Swings sind fast jede Show „drauf“.

Wie lang kannst du dir noch vorstellen bei REBECCA mitzuspielen und wie lang läuft dein Vertrag noch?

Ich könnte mir vorstellen, bis zum 6. Januar Rebecca zu spielen. Hey, da ist ja auch letzte Show, passt ja J Aber leider, leider spiel ich tatsächlich ich nur bis zum 5. , da ich am 6. Januar Dracula-  Vorstellung in Lüneburg habe. Ich bin sehr traurig darüber, aber hey, es gibt ja auch ein Leben nach Rebecca. Gott sei Dank!

 

Lieber Gerd,

vielen Dank für deine Zusammenarbeit mit uns! Wir haben uns über deine interessanten Antworten und deine tollen, zahlreichen Fotos der einzelnen Produktionen und Ausbildungsstätten sehr gefreut. Wir wünschen dir alles Gute für deine private Zukunft und viel Spaß noch bei den letzten „Rebecca-Shows“ und viel Erfolg bei der Umsetztung der Titelrolle im Musical „Dracula“ von Frank Wildhorn und Don Black im Theater Lüneburg, in dem du ab dem 10.11. zu sehen bist.

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Über heutemalkreativ

Wir sind ein (heutemal-) kreatives Dreiergespann, was sehr an Musicals, Schauspiel und Musik interessiert ist. Auf unserem Blog wollen wir nun versuchen einige interessante Interviews zu führen. Falls ihr Fragen oder Anregungen habt, schickt uns einfach eine Mail an: heutemalkreativ@web.de Viel Spaß! (:

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